Chemotherapie - unser Erfahrungsbericht

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Chemotherapie - unser Erfahrungsbericht

Beitragvon Flocke » Do Apr 07, 2011 9:38 am

Hallo,

in einem anderen Fourm hat jemand mitbekommen, dass meine Baffy Chemo-Therapie bekommt. Ich habe daher einen Erfahrungsbericht zusammengestellt. Ich denke, dies würde hier auch ganz gut reinpassen, da es einen groben Überblick über Baffys Behandlung gibt:

Hier nun unser Erfahungsbericht mit Chemo-Therapie:

Im Mai 2010 habe ich zufällig beim Kraulen, in Baffys Kniekehlen die Lymphknoten deutlich fühlen können. Sie waren nicht besonders groß, und in beiden Kniekehlen genau gleich groß. Von daher habe ich mir keine großen Gedanken darum gemacht. Ich dachte, das gehört halt so ... Trotzdem habe ich immer wieder hinfassen müssen, es hat sich aber nicht viel verändert. Dann entzündeten sich Baffys Augen. Nachdem Euphrasia-Tropfen über mehrere Tage nicht geholfen haben, sondern die Augen immer schlimmer wurden, entschied ich mich in die Tierklinik mit ihr zu fahren.

Wir hatten einen sehr netten Assistenzarzt der Baffy untersuchte. Er fand aber nichts an den Augen und gab ihr eine Augensalbe. Eher beiläufig erwähnte ich noch die Lymphknoten. Der Arzt tastete die Knoten sofort ab und meinte, dass das unnormal sei, und dass an beiden Kniekehlen die Knoten deutlich geschwollen seien.

Das war der Anfang ... Baffy wurde auf den Kopf gestellt und eine Gewebeprobe wurde entnommen. Anfang Juni 2010 bekamen wir dann die niederschmetternde Diagnose - Baffy hatte Lymphknotenkrebs (malignes Lymphom), Lebenserwartung ohne Behandlung 6-8 Wochen. Baffy war zu dem Zeitpunkt 5,5 Jahre alt.

Weitere Untersuchungen ergaben dann, dass Baffy ansonsten gesund ist und der Krebs bisher nur auf die Milz gestreut hatte. Der Arzt riet uns dringend zu einer Chemo-Therapie. Das war erstmal ein Schock!!! Instinktiv lehnten wir die Chemo-Therapie erstmal ab, aber es gab keine wirkliche Alternative. Nachdem uns der Arzt super aufgeklärt hatte, und wir auch von andere Seite Informationen über die Chemo-Therapie beim Hund erhalten hatten, haben wir uns dann doch dafür entschieden. (Wie jeder der sich mit der Chemo-Therapie beim Hund nicht auskennt, hatten wir die schlimmen Geschichten und Bilder von Menschen vor Augen, die Chemo-Therapie erleiden müssen. Dieses Bild ist aber völlig falsch, man kann die Chemo-Therapie beim Menschen überhaupt nicht mit der Chemo-Therapie beim Hund vergleichen!!!)

Klar war, dass diese Krebsform auch mit Chemo-Therapie nicht heilbar ist, sondern dass man den Krebs damit lediglich eine gewisse Zeit "aufhalten" kann, der Hund dabei aber eine sehr gute Lebensqualität hat. Man sagte uns, dass Baffy, wenn sie gut auf die Chemo-Therapie ansprechen würde, eine Lebenserwartung von 6 bis 24 Monate haben könne und das ohne Schmerzen und Leiden. Diese kleine Chance wollten wir nutzen, wir wollten es wenigstens versuchen, um hinterher nicht sagen zu müssen, wir hätten nicht alles versucht. Wir hätten ja jederzeit abbrechen können, hätte Baffy die Chemo nicht vertragen ...

So bekam Baffy also am 11.6.2010 ihre erste Chemo-Therapie ..... viele weitere sollten folgen.

Baffy hat Gott sei Dank wunderbar auf die Chemo-Therapie angesprochen und ihr ging es zu jeder Zeit hervorragend damit. Jemand der nichts von Baffys Krankheit wusste, hat ihr rein gar nichts angesehen. Sie war quietschvergnügt wie eh und je und voller Lebensfreude. Ich habe weiterhin mit ihr beim Obedience-Training teilgenommen und sie konnte eine Leben führen wie zuvor auch!

Zwischenzeitlich sind fast 10 Monate vergangen und am Freitag wird Baffy ihre letzte Behandlung bekommen!!!!

Nach wie vor geht es ihr sehr gut! Nun hoffen wir auf viele weitere glückliche Monate mit unserer Maus und sind unendlich dankbar, was die Tiermedizin heutzutage leisten kann!!!

Ich schreibe dies, weil viele Menschen eine Chemo-Therapie beim Hund noch kategorisch ablehnen und ich möchte mit Baffys Geschichte einen kleine Beitrag dazu leisten, den Menschen zu zeigen, dass es doch auch sehr positiv laufen kann!
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Re: Chemotherapie - unser Erfahrungsbericht

Beitragvon Flocke » Do Apr 07, 2011 9:40 am

Auf Grund meines Erfahrungsberichts wurden mir noch div. Fragen gestellt. Auch diese füge ich mal zusammengefasst hier ein:

Welche Untersuchungen werden vorher gemacht?
Als allererstes wurde eine Feinnadelbiopsie aus zwei Lymphknoten gemacht. Diese Probe wurde in der Tierklinik unterm Mikroskop angeschaut zur Bestimmung, ob es sich um Krebs handeln könnte. Hier war die Diagnose dass es zu 80 % Lymphknotenkrebs ist. Danach wurde ihr in Narkose eine kleine Gewebeprobe entnommen, die an die Pathologie nach München geschickt wurde (zur Bestimmung ob es 100 % Krebs ist, welche Form des Krebses B- oder T-Zell usw.) Ebenfalls wurde Baffy hierbei auf Herz und Nieren untersucht, sprich innere Organe geröngt, Knochenmark geprüft, Herz überprüft usw. Man nennt das Staging. Kosten hierfür 510 EUR. Bis man das 100 % Ergebnis hat, dauert es ca. 1 Woche.

Braucht man dafür einen Spezialisten?
Ja, auf jeden Fall. Teilweise kann die Chemotherapie auch vom Haustierarzt durchgeführt werden, jedoch nur in Absprache mit einem Spezialisten. Die Injektion erfolgt in die Vene, hierbei muss 100 % sauber gearbeitet werden, es darf nichts von dem Medikament z.B. in die Haut kommen. Daher würde ICH das ganze ausschließlich bei einem Arzt durchführen lassen, der sich damit auskennt.

Welche Medikamente werden gespritzt?
Ich kann nur für meinen Fall sprechen. Die Medikamente heißen: L-Asperginase, Doxorubicin, Vincristin und Endoxan (Tabletten die man selbst zu Hause gibt). Es gibt sicher auch noch andere Medikamente.

Wie lange dauert immer so eine Behandlung?
Das ist völlig unterschiedlich. Es gibt verschiedene Chemo-Protokolle. Welches Protokoll angewendet wird, hängt damit zusammen, wie weit der Krebs schon gestreut hat, wie alt und ansonsten gesund das Tier ist, welcher Krebstyp es ist. Baffy hatte ein Langzeitprotokoll welches 20 Behandlungen beinhaltete und insgesamt 10 Monate dauerte. Der Hund einer Bekannten bekommt ein Protokoll welches nur 7 Wochen geht.
Hätte Baffy ein oder mehrere Medikamente nicht vertragen, wäre das Protokoll umgestellt worden. Man kann das also nicht verallgemeinern.

Ich war bei jeder Behandlung dabei und hab Baffys das Köpfchen gehalten. Die Behandlung erfolgt mittels einer Injektion in die Vene (wir haben immer ein Hinterbein genommen). Jede Behandlung ansich dauerte zwischen 2 und 10 Minuten, je nachdem welches Medikament gespritzt wurde. Der Hund muss dabei ruhig auf der Seite liegen, was, obwohl meine Baffy ein "kleiner" Wirbelwind ist, für sie zu keinem Zeitpunkt ein Problem war.
Man hätte die Chemotherapie zu jedem Zeitpunkt abbrechen könne, hätte sie die Medikamente nicht vertagen, oder wäre es ihr sonst irgendwie schlecht gegangen.

Wie oft muss der Hund zur Behandlung?
Bei meinem Chemo-Protokoll: Anfangs 1 x wöchentlich, dann 1 Woche Pause zwischen den Chemos, dann 2 Wochen Pause zwischen den Chemos, dann 3 Wochen Pause zwischen den Chemos. Der letzte Zyklus erfolgte dann wieder wöchentlich. Ein Zyklus beinhaltet 3 Medikamente im Wechsel (Doxorubicin, Vincristin und Endoxan). L-Aspergianse wurde nur einmalig als erste Behandlung gegeben, woraufhin die geschwollenen Lymphknoten über Nacht komplett abgeschwollen sind.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Baffy hatte folgende Nebenwirkungen: 3 Tage schlechten Appetit nach dem Mittel Vincristin. Ansonsten hatte sie keinerlei Nebenwirkungen.
Infos zu Nebenwirkungen findet man hier:
http://www.tierklinik-hofheim.com/ch...download_5.pdf

Weißt Du zufällig, wie die Aussichten aus Sicht des TA bei Chemotherapie sind? Also, in Prozenten, wieviel
resistente Hunde und wieviele schlagen darauf an?

Ich hab irgendwo in den Weiten des Internets mal ein Studie gefunden, die geanue Prozentzahlen hierzu angibt. Da wurde sogar unterschieden, wie die verschiedenen Rassen, Geschlechter, Alter usw. auf verschiedene Chemoprotokolle und Medikamente angesprochen haben. Ich finde die aber grad nicht mehr. Da müsstet ihr mal googeln.

Grundsätzlich ist auch hier alles abhängig vom Alter und Gesundheitszustand des Hundes, Krebstyp (B- oder T-Zell), sind innere Organe befallen? Welche Mittel verträgt der Hund? usw. Dann kommt es noch drauf an, ob der Hund zuvor mit anderen Mitteln behandelt wurde z.B. Cortison. Die Gabe von Cortison wirkt sich negativ auf eine Chemotherapie aus. Daher ist es ganz wichtig, beim ersten Verdacht von Lymphknotenkrebs, erstmal KEINE Medikamente zu geben.

Baffy hat den Krebstyp B-Zell, die Milz war bereits befallen, ansonsten waren alle Werte TOP. Sie war zum Zeitpunkt der Diagnose 5,5 Jahre alt und ansonsten kerngesund. Ihre Überlebensprognose ohne Behandlung lag bei ca. 6 Wochen. Die Prognose bei einer Behandlung mit Chemo-Therapie OHNE das Mittel Doxorubicin lag bei ca. 6 Monaten. Die Prognose inkl. dem Mittel Doxorubicin lag bei 6 bis 24 Monaten.

Wir haben die Variante mit Doxorubicin gewählt, welche etwas teurer ist.

Eine allgemeine Prognose mit Chemotherapie ohne auf den einzelnen Hund einzugehen sagt: Die durchschnittliche Überlebenszeit liegt bei 12 Monaten, 25 % der Hunde werden bis zu 2 Jahre alt, 10 % der Hunde Leben länger als 2 Jahre.

Weiter Infos findet ihr hier: http://www.diavet.ch/d/publikationen/de ... ?NewsId=46

Vielleicht noch was zu den Kosten:
Wir haben jetzt bei Abschluss der Behandlung insgesamt (inkl. erster Untersuchung wg. der Augen, Staging und Chemotherapie) 2.300 EUR bezahlt. Und es war/ist mir jeden Cent wert!!!! Die Kosten sind abhängig vom Gewicht des Hundes (Baffy wiegt 40 kg) sowie davon, wieviele Bluttests zwischendurch gemacht werden müssen, ob Komplikationen auftreten usw.

Baffys Behandlung ist wie aus dem Lehrbuch gelaufen. Sie hat ja wirklich alles super vertragen, sofort auf die Medikamente angesprochen, keinerlei Nebenwirkungen gehabt. Und wir hatten großes Glück, dass bei Baffy sofort die richtige Diagnose gestellt wurde, und die Behandlungen absolut professionell durchgeführt wurden.
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Re: Chemotherapie - unser Erfahrungsbericht

Beitragvon Ariellée » Do Apr 07, 2011 11:33 am

Tanja das hast du sehr gut gemacht und ich hoffe das durch diesen Erfahrungsbericht weiteren Hunden geholfen werden kann noch ein schönes Leben bei ihren Menschen zu verbringen.
WINTER, NEIN DANKE ; ich warte auf den Sommer


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Re: Chemotherapie - unser Erfahrungsbericht

Beitragvon martinav » Do Apr 07, 2011 6:11 pm

Prima, Tanja, das war eine gute Idee, die Zusammenfassung hier einzustellen, so hat man doch alles auf einen Blick.
Vielleicht magst du euren Fall auch hier noch hinzufügen:

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