unsere Chemotherapie von damals

pro und contra

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unsere Chemotherapie von damals

Beitragvon Lisa » Fr Jul 28, 2006 9:12 am

Hallo,

wir hatten Anfang-Mitte Dezember 2004 eine Chemotherapie angefangen (und auch erfolgreich beendet), die ich so nach dem Modell nie wieder noch angetroffen habe. Habe mir viele Protokolle angeschaut, aber alles was ich gefunden habe streckte sich über mehrere Monate hinaus (fast ein halbes Jahr). Damit meine ich den 2 wöchtigen Zyklus nach der 6. - 7. Sitzung.
Von den Medikamenten her entsprach unsere auch diesen Protokollen. L-Asparaginase, Doborubicin, Vincristin und klar auch Prednisolon. (vielleicht habe ich noch ein Medikament vergessen, aber das ist nicht wichtig, die Medikamente sind wirklich gleich). Und auch hatten wir 13 oder 14 Sitzungen, also auch gleich mit den anderen Protokollen. Nur mussten wir von Anfang bis Ende jede Woche hin. Und wenn die Blutwerte mal schlecht waren (2 Mal passiert), dann hatten wir nicht eine ganze Woche gewartet, sondern mussten nach 3-4 Tagen immer nochmals zur Untersuchung + Chemositzung.
Auch ziemlich ungewöhnlich, aber wir mussten auch jede Woche das Prednisolon einnehmen.
Die Schocktherapie der ersten Sitzung bestand auch aus 2 Spritzen, die in einem Interval von 12 Stunden verabreicht wurde. Also auch hier gleich.

Meine Ärztin sprach damals von einem Langzeitprotokoll und einem Kurzzeitprotokoll. Ich hatte damals verstanden, dass wir das Langzeitprotokoll machen, aber ich denke, dass ich mich geirrt habe.


Also: hat einer von euch das Kurzzeitprotokoll gemacht? - ohne Zwischenfälle 13 Wochen.

Wie einige bereits schon erfahren haben, haben wir mit dem Protokoll ein ziemliches Glück gehabt und es gab keine Nebenwirkungen - bis auf Durchfall von Zeit zur Zeit. Auch hatten wir nach Therapieende fast 1,5 Jahre kein Rezidiv. Es sah alles gut aus. Wie es weitergegangen wäre weiss ich nicht, mein Hund ist im Juli dieses Jahres an einem Herzinfarkt gestorben.
(die Biopsieergebnisse nach einer OP vor ihrem Tod hatten zwar ergeben, dass sie einen neuen Tumor gebildet hat. Aber der hatte - laut TÄ - keinen Zusammehang mit ihrem früheren LDK, also keine Metastase.)

Auch diesem Grund kann ich die damalige Therapie nur weiter empfehlen. Sie hat uns damals wirklich viel gebracht.
Mich würden auch Ergebnisse von einer solchen Therapie noch interessieren. Also gibt es jmd. hier?
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Beitragvon JKA » Fr Jul 28, 2006 5:56 pm

Liebe Lisa,

schön, daß Du wieder schreibst.
SINUS Therapie ist, nach dem wir von einem ganz anderen Protokoll (OHIO), was er sehr schlecht vertragen hat, gewechselt haben, genau wie das von Voodoo (Wisconsin). Wir sind aber erst in der 4. Woche mit Wisconsin und ob Kurz oder Langprotokoll wird sich danach richten , inwieweit die Remission stabil bleibt. Bis jetzt haben wir mit Wisconsin keine Nebenwirkungen, nur die ständige, 2 tägige Prednisolongabe hat zu einem starken Muskelabbau geführt.
Bis jetzt sind unsere Erfahrungen gut. (toi, toi, toi)

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Beitragvon Lisa » Fr Jul 28, 2006 7:02 pm

Vielen lieben Dank für die Antwort! Ja, ich gehe gerade wichtige Phasen von der Zeit damals mit Voodoo durch und muss manche Antworten finden. Auch wenn sie inzwischen "sinnlos" geworden sind, aber für uns war das eine wichtige und sehr emotionale Zeit. Und auch so wird mein Interesse an dem Thema nicht abnehmen, das tue ich teils auch für die Voodi.
(demnächst will ich einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Herzen und Zytostatikamedikamente erfahren, werde hier im Forum auch noch mal fragen)

Wisconsin Protokoll sagt mir auch viel. Ich dachte einen solchen Therapieplan schon mal gesehen zu haben, aber vielleicht habe ich damals nicht so aufgepasst. Der andere Name (Ohio Protokoll) kannte ich noch nicht. Was für Medikamente beinhaltet der?
Hast du vielleicht irgendwelche Seiten mit den genauen Namen der möglichen Protokolle? Wäre bestimmt sehr hilfreich! Wenn man zu dem Arzt geht und ihn einfach nach dem Wisconsin- oder Ohio-Protokoll frägt. Vor- und Nachteile meine ich.
Aus Erfahrung habe ich nämlich gemerkt, dass manche Tierärzte immerwieder nur ein Protokoll anwenden, eben das was sie kennen. Sie wägen nicht ab welches Protokoll dem jeweiligen Hund besser "zugeschnitten" wäre. Ich bin sau froh, dass mir damals gesagt wurde, dass sie bereits schon zwei mögliche gut kennen (und auch Erfahrungen damit hatten) und dass für die Voodoo das kurze Protokoll geeigneter wäre. Und wurde keinen Name genannt, es musste doch alles so schnell gehen und ich war doch so eine Laie auf dem Gebiet...

Könnte doch eine gute Hilfe für die anderen sein, oder? Wenn der Arzt nämlich nichts zu dem jeweiligen Protokoll zu sagen hat, dann weiss man, dass er nicht viel Interesse an einer individuellen Behandlung hat.
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Beitragvon JKA » Fr Jul 28, 2006 7:17 pm

Lisa,
bin noch in der Fa., werde aber am Wochenende alles was ich zu den Protokollen zu Hause habe, reinstellen (wollte ich sowieso schonmal machen).
Das Du alles jetzt aufarbeitest ist gut und völlig verständlich und ich glaube auch, dass zwar jeder seine Behandlungsentscheidung für sein Tier treffen muß, aber gerade in der ersten Schockphase nach der Diagnose alle Informationen und Erfahrungen hilfreich sind, jedenfalls hat mir dieses Forum sehr geholfen. Tragen wir also alles zusammen, leider wird es ja weitere Betroffene in der Zukunft geben :cry: .

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Beitragvon Lisa » Fr Jul 28, 2006 7:54 pm

Oh vielen Dank für deine Hilfe. Ich möchte auch noch helfen, allerdings weiss ich, dass meine Infos beinahe fast schon veraltet sind. Wie gesagt, wir fingen in Dez. 2004 damit an.
Und seit gut einem Jahr habe ich in der Richtung nichts neues mehr dazu gelernt, weil ich für die Voodi immerwieder andere Recherchearbeiten betrieben habe.

Ja, das mit der Therapieentscheidung ist jedem seine Sache. Ich weiss wie schwer ich zuerst geschluckt habe als ich das Wort "Chemo" gehort habe. Für uns Menschen hat dieses Wort eine sooo saumässig negative Bedeutung... Ich denke, wenn man davor nichts von einer Chemo beim Hund gehört hat, dann muss man wirklich "verzweifelt genug" sein, um sich für eine solche zu entscheiden. Meine Dame stand damals auch in Atemnot, was hätte ich den schnell tun können? Ich war sozusagen: verzweifelt genug. Und erst danach hat sich herausgestellt, dass wir eine richtige Entscheidung getroffen haben.
Jaja... wie oft habe ich mir von "Nichtwisser" anhören müssen, dass ich egoistisch gehandelt habe...
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Beitragvon JKA » Di Aug 01, 2006 5:06 pm

Entschuldige bitte Lisa, bin noch nicht dazu gekommen alles rauszusuchen. Mache ich im Laufe der Woche, ist versprochen. Mail ist schon geschrieben, url links und Tablettenangaben fehlen noch.


Gruss JKA :tschuldigung:
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Beitragvon Lisa » Di Aug 01, 2006 6:20 pm

Kein Stress... du weisst ja, mir persönlich bringt das leider auch nicht mehr viel... :heart:
Danke Dir sowieso für die Mühe.

Lisa mit Voodoo im Herzen (in der Seele und überhaupt in alles was mich ausmacht)

Edit by Pontus: Zitat entfernt
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Beitragvon JKA » Mi Aug 02, 2006 2:25 am

Lisa,

Du schriebst im anderen thread:
"Aber ich habe es immer verdrägt mir einzugestehen, dass diese Prozedur (Anm. JKA: die Chemotherapie) nicht im Sinne des Hundes war. Sie hatte zwar keine ..."


Diese Selbstzweifel bringen nichts, das weißt Du. Ihr habt 1,5 Jahre gewonnen, die Voodoo, wenn Ihr es Ihr gut ging, mit Sicherheit auch genossen hat und Du weißt, es wären Euch sonst nur eine Handvoll Wochen mit schweren Sympthomen geblieben. Wir haben zeitweise extreme ChemoNebenwirkungen gehabt (die wir aber GsD überwunden und abgestellt haben), denn diese Medikamente sind pures Gift. Nach langem Hinundher stehe ich jetzt zu meiner Behandlungsentscheidung (viele Stunden und einige Nächte Verzweiflung hat's gebraucht ... und Beiträge in diesem Forum... und vor allem das rasende Tempo mit dem mein SINUS todkrank wurde) und nehme jeden Tag als Geschenk. Hätte ich nichts getan, hätte ich das Gefühl von unterlassener Hilfeleistung. Die Angst vor einem schnellen Ende und dem späteren "Hättest Du doch nur..." überwiegte bei mir schließlich die Angst vor den Nebenwirkungen und Spätfolgen. Wirklich wichtig ist mir nur, dass mein SINUS in dieser verlängerten Lebenszeit auch lebensfroh ist und so "gesund", dass er diese Zeit auch geniessen kann.
Wir wissen, nicht's im Leben gibt's umsonst. Ihr hattet schöne, lange 1,5 Jahre und es war klar, dass, gerade bei dieser schweren Erkrankung für die medikamentöse Verlängerung der gemeinsamen Zeit, ein gesundheitlicher Preis zu zahlen ist.

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Beitragvon hansi » Mi Aug 02, 2006 7:35 am

Ach diese Selbstzweifel, das kennt jeder von uns nur allzu gut. Jeder weiss es, es bringt nichts, aber dennoch sie sind da und irgendwie nicht auszulöschen. Da ist die Zeit ein wirklich guter Wegbegleiter, denn die Zeit wird die Selbstzweifel, insofern man aber auch immer wieder darüber spricht, die Zeit wird die Selbstzweifel besiegen, nicht endgültig.
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Beitragvon Lisa » Mi Aug 02, 2006 8:51 am

Ja, aber die Geschichte von Voodi hatte noch viele Hacken. Auch wenn ein direkter Zusammenhang nicht besteht.

Die Welt was noch in Ordnung bis zu dieser Diagnose, Hund war nie krank.
Wir fingen im Dezember mit der Chemo an. Da war meine Maus gut über 9 Jahre alt (in April ist die 10 geworden). Alles fing sehr harmlos an, Hund war danach eher aktiver als davor, weil er nicht mehr in Atemnot stand und weil sie mit noch mehr Appettit frass als davor.
Nach der 3. Sitzung bekam sie ne akute Pyometra und musste notkastriert werden. Hm, der Grund für die Pyometra und wieso diese Enzündung gerade in der Zeit aufgetreten ist, bleibt in den Sternen. Vielleicht wegen den immunsupresiven Medikamente?
Ich habe mir damals überlegt, ob es nicht im Sinne des Tieres wäre, sie einzuschläfern. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich ihr die schwere OP nicht mehr zumuten darf. Und weil wir mit der Chemo auch noch pausieren mussten, war die Ärztin der Meinung, dass die Knoten in der Zeit wieder kommen und dass wir alles umsonst gemacht haben...
Die OP war sehr kritisch, Maus musste ein paar Tage dort bleiben. Schließlich hatte sie sich erholt und wir machten eine 3 wöchtige Erholungspause ohne Chemo. Und sage und schreibe: die Knoten sind nicht gewachsen! Trotz aller Prognose...
Ich musste mich wieder entscheiden, ob wir die Chemo weitermachen. Die Entscheidung war auch dieses Mal schwer, denn ich hatte gesehen was die immunsystem unterdrückenden Mitteln alles anstellen können.
Wir machten weiter. Dem Hund ging es gut dabei. Aber seit dieser Zeit ist immerwieder was anderes gekommen. Nichts stand im direkten Zusammenhang mit der Chemo, aber alles war so dubiös... ich musste mit ihr immer in die Klinik, weil ich wissen wollte was sie wieder hatte. Und seit dieser Zeit bin ich selber durchgedreht. Ging ständig zur Kontrolle, immer in die Klinik wo meine Maus doch so Angst hatte. Bis zum Schluss noch, 8 Tage vor ihrem Tod war ich wieder dort und hatte sie wieder operieren lassen, weil sie komische Knoten in der Haut (nicht unter der Haut, keine Lipome) bekommen hatte.
Ich war ständig in Sorge und das: jahrelang. Dieser Stress hatte sich so stark auf meinen Hund übertragen... Vielleicht war ich ein grosses Teil des Problems. Weil ich nicht mehr ganz dicht war.
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An Lisa!

Beitragvon ursula » Mi Aug 02, 2006 9:04 am

Liebe Lisa!

Ich kenn das nur zu gut,man zerbricht und zerbricht sich den Kopf...Wegen dem Protokoll,wirhatten genau das gleiche wie Du und auch wie Jürgen und es ist richtig,es kristallisiert sich im Lauf der Behandlung heraus,ob man ein Intensiv-oder Kurzzeitprorokoll macht,oder ein längeres-ich glaube nicht,dass ein grosser Unterschied besteht,die Medikamente sind ja die gleichen.
Das Doxorubicin sollte man laut Merkblatt nicht öfter als 5mal in einem Zyklus geben-eben,weil es das Herz so beansprucht.
Aber Du hast Deiner Voodi 1,5 wunderschöne,gesunde Jahre geschenkt damit und glaub mir eines,was da im Beginnen war,war kein völlig neuer Krebs,sondern eine andere Variante.Wir haben das leider im menschlichen Bekanntenkreis miterlebt,es scheint kein Zusammenhang,doch es ist einer.Ich wünschte Dir von Herzen,Du hättest Deine Voodi noch und zwar gesund und munter,aber glaub mir,der schnelle Tod in Deinen Armen zu Hause war ein Gesvhenk...

@Jürgen:Du hast völlig recht,die Behandlungen fordern ihren Preis und der Tag kommt,aber wir schenken unseren Hunden und uns selbst so viel damit,so intensive glückliche Tage,und unsere Angst im Hinterkopf hat der Hund ja nicht.Unserem Humphrey ging es bis ca. 2 Wochen vor seinem Tod ausser einem einzigen Mal 2 Tage Nebenwirkungen(schlapp,müde),sehr,sehr gut.Wir hatten noch einen schönen Herbst und Winter zusammen-das hätten wir ohne Chemo nicht gehabt.
Ich glaube,wir müssen dankbar annehmen,was uns geschenkt wird.

Aber da ist der Schock,und der sitzt tief.Lisa,Deine Voodi wird immer bei Dir sein und irgendwie hat sie diese Art des Heimgehens gewählt..

Alles Liebe
Ursula & Humphrey im Regenbogeland
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Beitragvon Lisa » Mi Aug 02, 2006 3:11 pm

Ursula, man kann anhand der Zellen erkennen, ob der neue Krebs eine Metastase vom alten ist oder nicht. Bei einer Streuung bleibt der Initiator ja gleich. Unsere Probe wurde in die Uniklinik nach Bern geschickt, weil sie dort in bessere Händen war. Mehr kann ich dazu nicht sagen, weil ich kein Arzt bin. Mir wurde von mehreren Ärzten aber bestätigt, dass zwischen den zwei Krebsarten keinen direkten Zusammenhang bestand. Wo die Proben höchstwahrscheinlich miteinander verglichen wurden, hat die Voodi ja noch gelebt. Und auch als das Ergebnis kam, hab ich der Ärztin vorerst noch nichts vom Ableben gesagt (absichtlich nicht).

... ich dachte schon so viel über die Medikamente und der Chemo zu wissen, weil ich viel Recherche betrieben habe. Zu der Zeit gab es auch noch nicht so viel online zu finden wie jetzt. Aber trotzdem... Gut, ich hätte mich bei der Medikation nicht eingemischt. Aber gern hätte ich jetzt gewusst, ob das Doxorubicin doch eine Rolle gespielt hat...
Meine Eltern - die sich auskennen - vermuten immer mehr einen Blutgerinsel, der sich aus verschiedenen Gründen gebildet haben könnte. Wegen der OP meinen sie nicht, weil der Chirurg nur an der Hautoberfläche operiert hat. Es gibt aber sehr viele andere Gründe, wieso sich ein solcher bilden kann. Und er kann - an der Herzklappe angekommen - eine solche verstopfen.
Mich aber lässt der Gedanke nicht los, dass es die Medikamente waren... Auch wenn Indizien (keine weiteren Symptome einer Herzerkrankung und der sehr schnelle, heftige Tod; die gute Laune von Voodi an dem Tag und ihr guter Zustand) eher für eine plötzliche Verstopfung sprechen würden.


Ich weiss, dieser Text gehört eigentlich nicht darein. Weiss aber auch nicht mehr wo ich den reinpacken soll. Hab eh ein grosses Durcheinander geschaffen.
Usprünglich wollte ich mit diesem Thread helfen. Aber da ich selber noch so betroffen bin und noch so viele Antworten zum Tod brauche, bin ich zur Zeit nicht so hilfreich. Ob die Modis dieses Durcheinander wieder ordnen könnten...? Vielleicht alles in einem anderen Thread reinstecken?
Sorry.
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Beitragvon JKA » Mi Aug 02, 2006 10:01 pm

Lisa, Lisa,

ich verstehe Dich sehr gut, obwohl die Zeit, die Du gerade durchmachst, noch vor mir liegt (was würde ich geben, um den Kelch vorbeiziehen zu lassen...(!)) - aber mir ist klar, und vielleicht war Dir das nicht so klar, dass Chemozeit nur geborgte Zeit ist (daher muß man sie intensiv nutzen). SINUS ist nicht gesund (das ist er nicht mehr, seit diesem unglückseligen Tag als die erste verdammte Zelle aus unerfindlichen Gründen beschloss zu entarten) und er wird auch nicht geheilt (auch wenn ich hoffe, bete, bitte, dass er der "Wunderhund der 0,5 Promille" ist, die aus unerfindlichen Gründen ausgeheilt werden - allerdings habe ich noch von keinem gelesen und kenne keinen). Es ist klar, dass remission nur heißt, dass keine Sympthome sichbar sind, der Krebs bleibt und tut sein unheilvolles Werk. Und, es ist schlimm, alles was wir haben um uns zu wehren, die Medikamente, den schönen starken Körper meines Rottis schwächen, ihm die Lebens- und Widerstandskraft gegen andere, "normale" krankheiten nehmen und in teuflischer Kooperation mit diesem verdammtem Krebs langsam und unaufhaltsam seine Vitalität verringern, bis irgendwann der Widerstand gebrochen wird, der Körper nicht mehr dagegen halten kann. Was würde ich für ein Wundermittel geben...!
Aber bis zu diesem letzten Tag, gebe ich meinem Hund alle Liebe, verwöhne ihn und mich und baue ihn auf wo ich nur kann. Ich stachele seinen Lebenswillen an und steigere seine Liebe zu mir, damit er sich mit allen seinen Kräften an sein Leben klammert und freue mich mit ihm, dass wieder ein Tag gewonnen ist. Wenn wir 1,5 Jahre (wie Du) erreichen würden, dann hätte SINUS fast ein Drittel seines bisherigen Lebens gewonnen, und da das erste Drittel für ihn nicht so gut lief (ausgesetzt, Tierheim), ist es das wert, das glaube ich.
Lisa, Voodoo war nicht gesund, die Medikamente haben es nur versteckt und Euch die Zeit gegeben. Und weil sie nicht gesund war und starke Medikamente nahm, bekam sie auch dies und das, was vorher nie der Fall war. Nur glaube mir, ich habe an meinem Hund gesehen, wie binnen 4 Tagen aus einem starken Rottweiler ein hechelnder, strauchelnder, sich quälender Hund wurde, der nicht verstand, was mit ihm passierte und der nicht mal mehr fressen konnte. Und ich dachte: "So geht das nicht zu Ende"! Wir lagen nachts zusammen und ich habe ihm versprochen dass ich alles für ihn tun werde und er wird mir zeigen,wenn er nicht mehr kann und sich ausruhen muß...

Sehr wichtig war natürlich das Glück mit unserem Arzt, keine Fahrerei für SINUS, keine Aufenthalte in der Klinik, einmal war die Injektion schon bei mir zu Hause, weil in der Praxis eine Notoperation war, es lief sehr gut, der Arzt braucht 2 Minuten mit dem Auto zu mir, falls was gewesen wäre. SINUS ist immer ganz gern beim Arzt (gibt Leckerlis, viele Streicheinheiten und so viele Gerüche) und wenn es mal unangehm wird, ist nur wichtig, dass ich ruhig und fest und bei ihm bin und sein Blick meine Augen findet.
Glaube mir, natürlich würde ich gern was anderes machen, als mir (und Dir) das Einleiten von Gift in den Hundekörper schönreden, aber haben wir eine Wahl? Niemand kann in die Zukunft sehn, und wir kennen nur diese Gegenwart, am Ende steht man allein mit seiner Entscheidung. Ich glaube seit diesem verdammten Tag als diese verdammten erste Zelle den Weg durch seinen Körper nahm, hatten wir keine Wahl mehr.

Tut mir leid, dass ich so lang schreibe, es beschäftigt mich halt auch alles (ist das ein Wunder?) und "draußen" kann man darüber eh mit niemanden reden.

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Beitragvon hansi » Do Aug 03, 2006 8:16 am

Zitat JKA:
Aber bis zu diesem letzten Tag, gebe ich meinem Hund alle Liebe, verwöhne ihn und mich und baue ihn auf wo ich nur kann. Ich stachele seinen Lebenswillen an und steigere seine Liebe zu mir, damit er sich mit allen seinen Kräften an sein Leben klammert und freue mich mit ihm, dass wieder ein Tag gewonnen ist. Wenn wir 1,5 Jahre (wie Du) erreichen würden, dann hätte SINUS fast ein Drittel seines bisherigen Lebens gewonnen, und da das erste Drittel für ihn nicht so gut lief (ausgesetzt, Tierheim), ist es das wert, das glaube ich.
Zitat Ende

Schöner kann man es nicht ausdrücken!

Edit by Pontus: Hansi in diesem Fall kannst du ruhig die Zitatfunktion benutzen, denn du weist auf einen Textteil hin. Es geht bei den Zitaten nicht um die Funktion sondern um die Wiederholung des Textes der die Datenmenge ausmacht. ;-)
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Beitragvon Daggy und Mora » Fr Aug 04, 2006 12:55 am

Jürgen hat es ganz genau auf den Punkt gebracht, wir haben keine Wahl! Unsere wirklichen Waffen heißen Liebe, dem Hund Spaß bereiten und die Zeit nutzen. Kein Medikament ist in der Lage, diese Krankheit zu besiegen, alles was wir gewinnen ist ein bisschen kostbare Zeit und die muss man wundervoll gestalten. Lisa, ich bin mir ganz sicher, das hast Du für Deine Voodi getan! Und sie hat es Dir gedankt, sie ist innerhalb kürzester Zeit und ohne großes Leid gegangen. Bitte versteh das jetzt nicht falsch, aber es gibt eben auch ein ewig langes dahinsiechen mit Schmerzen und Quälerlei verbunden, was ganz furchtbar mitanzusehen ist. Vielleicht ist das sowas wie ein winziger Trost für Dich. Ich weiß nicht, ob ich alle Antworten zu meinen Fragen wissen wollte, denn was dann? Es würde sich nichts ändern, vielleicht würden noch mehr Selbstvorwürfe kommen. Ich hoffe, Du kannst irgendwann Deinen Frieden finden und dass der Schmerz nachlässt.

Liebe Grüße, Daggy und Mora
Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben - Cicley Saunders
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